Die Basis, das Außenlager und die Alligatoren - Der 23. BuCon in Dreieich-Sprendlingen

von Christian Spließ (16.10.2008)

Limburg ist bestimmt eine sehr reizvolle, schöne und tolle Stadt. Wenn man allerdings auf dem Weg zum BuCon durch sie durch fährt und dann dazu in eine Nebelwand gerät – die so urplötzlich erscheint, dass man sich ein wenig an eine gewisse Stephen-King-Verfilmung erinnert fühlt – kann man natürlich die Schönheiten dieser bestimmt reizenden und netten Stadt gar nicht berücksichtigen. Die vorübergehende Depressionslaune hebt sich dann allerdings, wenn man feststellt, dass die Fahrplanauskunft der Bahn einen mal wieder einen Bären aufgebunden hat: Anstatt dass man drei Mal umsteigt, kann man nämlich bequem am Frankfurter Flughafen aussteigen und den Bus nach Dreieich-Sprendlingen nehmen. Das hatte ich zwar schon im letzten Jahr gemacht, aber bekanntlich ist mein Orientierungsvermögen das einer Schwalbe, die gegen einen Betonpfeiler kracht. Allerdings hatte ich es besser als Kai Hirdt, dem Mann, der später einen vorzüglichen Vortrag über die Perry-Comics im Alligator-Verlag halten sollte. Laut seinem Twitter-Account werkelte er nämlich zu dieser Zeit, als ich die Haltestelle suchte, noch an seinem Vortrag für den Nachmittag. (Falls jemand seine und meine Postings nochmal nachlesen möchte: http://twemes.com/BuCon – Twitter ist eine Art "Ich schicke mal eine SMS an einen Abonnentenkreis"-Dienst und erfreut sich großer Beliebtheit, für das kurze Livebloggen sehr ideal.)

Während Kai dann mitteilte, er würde beim Bäcker frühstücken, hätte ich das rein theoretisch am Flughafen beim Asiaten oder bei McDonalds tun können. Stattdessen blieb mir genügend Zeit um mir einen Afrika-Kaffee zu holen - komisch, was hat eigentlich Togo mit den Dingern zu tun?, - und auf den Bus zu warten. Denn schließlich war ja Samstag. Was meine freudestrahlende Erwartung, recht früh auf dem BuCon zu sein, etwas dämpfte. Im Nachhinein hätte ich dann sowieso nur warten müssen, denn Einlass war ja erst ab 12:00. Woran sich die Crew strikt hielt und deswegen zwei schwarze Hundestatuen vor den Eingang schob, um das nochmal zu verdeutlichen

Dass der Bus übertrieben voll war, wäre eine gelinde Übertreibung. Um diese Zeit an einem Samstag Morgen ist die Fahrgastdichte nach Dreieich-Sprendlingen, dem Veranstaltungsort, an dem der BuCon offenbar nun permanent ein Zuhause gefunden hat, sehr übersichtlich. Dabei hätte ich erwartet, dass die fünf ganz in Schwarz gekleideten Jugendlichen ebenfalls mit einsteigen würden, die warteten aber wohl auf den Bus für die Messe. Aber wie Mike Hillenbrand dann in seinem Panel feststellte: "Die einzigen zwei Jugendlichen hier im Raum sind nur da, weil der Vater sie mit schleppte." Soll heißen: Der Altersdurchschnitt war wieder so wie immer – die älteren Semester überwogen.
Was natürlich kein Grund zur Besorgnis darstellt, wie man ja weiß, muss das Fandom überhaupt nicht gerettet werden – ebenso wenig wie der Heftroman, weswegen das Panel "Muss der Heftroman gerettet werden" auch komplett ausfiel. Nicht, dass mich das gereizt hätte, denn vermutlich wäre es genauso langweilig geworden wie das zur Zukunft der Fantasy. Aber hübsch der Reihe nach ...

Zuerst traf ich auf Dirk van den Boom, der händeringend Guido Latz suchte, weil der natürlich all die tollen Produkte hatte, an denen Dirk irgendwie beteiligt ist. Dirk beklagte einmal mehr, dass für Vegetarier auf dem Con offensichtlich nicht gedacht worden sei – Lasagne kann man auch mit Tofu machen, habe ich mir sagen lassen. Und so verschwand er kurz darauf im Biomarkt auf der anderen Straßenseite um sich einzudecken. Mit Tofu-Würstchen. Ich frage mich ja immer: Wenn ich als Vegetarier komplett nichts mehr mit dem Fleisch zu haben möchte, warum kaufe ich dann eigentlich Produkte, die auf das Aussehen von Fleisch getrimmt sind? Ist das so was wie mit diesen Nikotinpflastern für Raucher, damit die sich besser abgewöhnen können? Hmmm ...

Beim Warten gesellte sich dann Markus K. Korb zu mir und wie immer war er ein angenehmer Zeitvertreiber, bis die Kasse offiziell geöffnet wurde. Über den Preis muss man wahrlich nicht meckern und ich tu das auch nicht: 8 Euro pro Person bzw. 6 Euro ermäßigt – ich hätte jetzt nach einer Hartz-IV-Ermäßigung fragen können, weil ich ja weder zu den Rentnern, Schülern, Auszubildenden oder den anderen Gruppen gehörte, aber vielleicht kann man das im nächsten Jahr mal dazu schreiben? Um diese Zeit waren die Massen natürlich noch nicht anweisend und so konnte ich mich ganz auf Dirks "Kauft Ikarus!"-Angebote akzeptieren, bei denen ich aber standhaft blieb. Und die Tentakel-Trilogie kommt mir erst als Hardcover mit Pappschuber ins Haus und falls Dirk das hier lesen sollte: Ja, ich kaufe das Teil dann auch wirklich!

Fast zeitgleich mit Christian Humberg traf dann auch Mike Hillenbrand ein sowie Bernd Perplies und die reizende Carolina Möbis, die den Fortsetzungsroman fürs Corona-Magazin schreibt, und zwei Romane im Battle-Tech-Universum veröffentlicht hat. Stolz präsentierte mir Christian Humberg "Das schleichende Grauen", ein Abenteuerspielebuch im Kosmos des Hexers von Salem. Da das Buch erst ab der nächsten Woche zu kaufen war, hatte ich als einer der absolut Ersten den Vorzug einen kleinen Blick auf das Teil zu werfen. Ich werde vermutlich eine Menge Spaß haben, wenn ich das Teil durchgespielt habe, und hoffe mal darauf, dass der Verlag als Service Charakterbögen auf die Webseite stellt. Die sind nämlich immer so schnell vollgekritzelt ...

"Corona Members only" - das hätte gut auf dem Panel von Bernd Perplies stehen können. Denn die Mehrzahl der wenigen Besucher gehörten irgendwie zum Corona-Magazin-Kernpersonal. Leider waren nur wenige Besucher zu dieser frühen Stunde anwesend um Auszüge aus Bernds erstem Fantasy-Roman "Tarean" zu hören. So hörten wir also zu wie der Versuch, den Hexenmeister Calvass zu besiegen scheiterte, und sich der Junge Tarean, der Sohn des Ritters, der unglücklicherweise dem Hexenmeister half – wie auch immer – von seinem Waffenmeister eine Yoda-Lektion anhören musste, weil Tarean sich im Zorn zu einem Waffengefecht verleiten ließ, dass er nicht gewonnen hatte.
Auf Vorbilder angesprochen meinte Bernd, dass er für den Roman eindeutig eher Filmszenen vor sich hatte – so wollte er wie im ersten Teil vom "Herrn der Ringe" mit eine gewaltigen Schlachtszene beginnen, um dann später die Handlung etwas "zu verkleinern". Wer das Buch liest, könnte etliche Filmszenen wiedererkennen, die Bernd als Anregung dienten, aber nicht unbedingt immer komplett übernommen wurden. Noch eine Anregung kam aus seiner Rollenspielgruppe was die Namen oder Charaktere anbelangt – wobei diese nur immer am Rande oder als Cameo auftauchten. Die Hauptfiguren sind komplett neu erfunden worden und das Abenteuer um "Tarean" ist zwar der Beginn einer Saga – klar, Fantasy-Autoren können ja nicht unter einer Trilogie oder so – doch das Abenteuer ist in sich abgeschlossen. Auf die Frage wie viele Zwerge es denn gäbe, kam die Antwort: „Einer, aber der ist kein normaler Zwerg“ ...  Etliche La-Ola-Wellen später dann verließen wir gut gelaunt das Panel und Christian Humberg und ich machten uns zum Bastei-Panel auf. Eigentlich wollte ich das dieses Jahr ausfallen lassen. Was die Zukunft von "Professor Zamorra" anbelangt, hatte ich die Antworten schon in einem Panel beim Colonia-Con erhalten, auch, dass Christian Humberg als neuer Autor bei "Zamorra" eingestiegen war – aber da ich noch einige „Buffy“-Staffeln an Claudia Kern zurückgeben musste, konnte ich das dann auch gleich erledigen.

Das Bastei-Panel fand außerhalb des eigentlichen Con-Gebäudes statt, aber selbst ich hatte es dann dank der Hinweispfeile rasch gefunden. Während es noch Probleme mit der Technik gab und man die Diaschau von „Maddrax“-, „Sternenfaust“- und „Zamorra“-Covern noch einstellte, die später die Runde untermalte, bekam Claudia erstmal ihre „Buffy“-Staffeln zurück und als Ausgleich bekam ich dann Autogramme. Guter Tausch. Zu mehr als einem kurzen Schwatzen über Debian kam es dann leider nicht mehr, denn Claudia scheint dann direkt nach dem Panel aufgebrochen zu sein. Kann ich verstehen – aber dazu später.
Wenn offizielle Bastei-Autoren dichten, ist das dann noch Fanfiction? Gute Frage, aber der Versuch die Handlung von „Maddrax“ in eine Büttenrede zusammenzufassen war recht – nun – nett. Doch. Ja. Und das "Dalli-Klick"-Spiel mit den Covern hat auch Spaß gemacht. Immerhin habe ich da das „Zamorra“-Cover richtig erraten und verschwand zufrieden mit "Zeit der Teufel", dem ersten Hardcover aus dem Zaubermond-Verlag.
Nicht ganz so nett war die Tatsache, dass Werner Pöhling, der eigentlich die Runde moderieren sollte, etwas später eintraf, so dass Michael Schönenbröcher kurzerhand einspringen musste. Ich hatte zwar gewittert, dass Werner seit seinem Eintreffen dann die Moderatorenrolle übernahm, aber offenbar hatte Werner auch nicht unbedingt den Gesamtplan vor der Veranstaltung in der Hand gehabt.

Apropos Plan: Der Ausschnitt des Panels, den ich mitbekam, erinnerte mich irgendwie an die Standard-„Farscape“-Situation. Wer jetzt „Farscape“ nicht kennt: Wenn der Hauptcharakter John Crichton einen Plan hat, dann passiert eines in der Regel nicht. Nämlich dass der funktioniert. Eine gewisse Konzeptlosigkeit ist bei solchen Panels ja auch ganz charmant und ich denke eine Vorplanung muss auch vorhanden gewesen sein, dass dann der Moderator nicht pünktlich ist und man sich dann irgendwie behelfen muss – geschenkt. Aber dass dann Werner offensichtlich keine Ahnung hatte, was da genau ablaufen sollte ... Ich habe ja wirklich nichts gegen Spontaneität bei Panels, manchmal muss man da auch improvisieren, weil irgendwas nicht funktioniert, sollte man auch nicht verbissen und ernsthaft sehen das Ganze. Damit kann man leben. Das mag auch noch angehen, wenn man nur ein Panel für eine Serie macht. Aber ein Panel für DREI Serien sollte zügiger, straffer und besser organisiert sein. Dann dauert das auch nicht knappe drei Stunden und länger ... Zumal es ja auch eine Art Programm auf einem separaten Zettel gab – man hätte gewarnt sein können, da stand Ende offen drauf. Mag sein, dass dann nach meinem Weggang um 15:00 Uhr straffer organisiert wurde, kann ich nicht beurteilen. Wenn Bastei einen eigenen Serien-Con organisiert, dann ist das bestimmt auch noch mal eine andere Sache. Aber wie man es auch dreht und wendet: Ich jedenfalls hatte das Gefühl, dass da ein Con im Con stattfand und das war schon recht seltsam. Viel Neues habe ich also da nicht erfahren. Außer, dass es ein nettes Fanvideo zu "Sternenfaust" gibt, das ein Fan mit dem Spiel "The Movies" erstellt hat.

Wer frühzeitig zum Panel zu "Dies sind die Abenteuer" kam, hatte auch die Chance auf einen Sitzplatz. Was nicht nur daran lag, dass der Raum der kleinste des Cons war, nein, die Fans drängelten sich so, dass am Ende etliche Leute standen. Man hätte also auch locker einen der größeren Räume füllen können.
So ziemlich das Erste, was Mike Hillenbrand in seinem Panel feststellte, war, dass das Cover des zweiten Teils von "Dies sind die Abenteuer" NICHT so aussehen würde, wie auf der Anzeige der aktuellen „Space View“-Ausgabe. Puh, Glück gehabt. Falls sich das also jemand bei Amazon vorbestellen sollte: nicht erschrecken.
Mit knapp einer Million Zeichen ist das Buch ungefähr genau so lang wie das erste – und wird mit Sicherheit, so meinte Mike, zu Diskussionen im Fandom führen. Nach dem Aufruf, sich doch an dem Buch zu beteiligen, weil man auch hier die Fans zu Wort kommen lassen wollte, wären er und Thomas Höhl mit Material zugeschüttet worden. Dass es zudem auch eine Unmenge von Initiativen der Fans gibt, die man unmöglich alle würdigen konnte, musste man also erstens ab und an kürzen – zweitens musste man eine Auswahl aus den Fanaktivitäten treffen. Was ihnen schwer gefallen sei. So wird der Eine oder Andere sicherlich diese oder jene Initiative vermissen – eventuell ja Grund genug für ein drittes Buch zum Thema? Man wird sehen. Ob man denn auch Kritik am Franchise geübt habe, wollte man aus dem Publikum wissen. Natürlich, das hätte man ja auch im ersten Band schon getan, wobei Mike meinte, dass die Leute, die im ersten Band kritisiert worden wären, ja in den USA leben würden und das wohl kaum mitbekommen hätten. Beim zweiten Buch sind die Autoren sich bewusst, dass es heftige Diskussionen im Fandom geben wird. Insofern wird es spannend zu sehen, was passiert wenn das Buch auf dem Markt ist. Das wird eventuell im Dezember der Fall sein.

Man merkte, dass sich Mike vorbereitet hatte – dass er dann etliche Passagen erst auf seinem PC im Manuskript suchen musste, war dann verzeihlich. Zudem überbrückte er die Suchpassagen in dem er nähere Einblicke gab. Unter anderem erfuhr man, was Synchronsprecher wirklich verdienen. Dass das Buch aus drei Teilen bestehen würde, dass es wieder Zwischenspiele geben wird – allerdings nicht so viele wie im ersten Band, schade – dass der erste Teil sich etwas chronologischer mit der Geschichte von „Star Trek“, auch in der DDR, befassen würde, der zweite stellte dann die Fans selbst vor und im dritten Teil würden dann die Fragen erläutert, die nach dem ersten Buch aufgelaufen wären. So auch, warum es Unterschiede zwischen der Synchro einiger „TNG“-Folgen auf Videokassette und im Fernsehen bei den selben Folgen gab. Die Frage konnte Mike so aus dem Stegreif nicht beantworten, aber hey, wozu gibt’s das Buch im Handel? Auf die Antwort bin ich dann auch mal gespannt übrigens. Was es nicht alles gibt ...

Zeit eine Pause einzulegen und nachzusehen wo Kai Hirdt von der "Alligator"-Farm steckte. Der war, wie mir Twitter meldete, mittlerweile eingetroffen. Nur wo steckte der Kerl? Während Mike auf der Bühne vom OK Darmstadt interviewt wurde, ließ ich meinen Blick über die Menge schweifen, bot Guido Weingummi an, unterhielt mich kurz mit Walter Appel, sah, dass Thomas König auch da war, reichte einigen Marburger-Con-Aktivisten die Hand und mache mich dann auf die Suche nach dem Stand der Alligator-Farm. War nicht schwer zu finden, war ja nur knapp einen Meter weit weg. Als ich ankam, war der Kameramann des OK gerade dabei, Comic-Cover abzufilmen. Mein Versuch, ihm zu erklären, was es mit Creative-Commons auf sich hat, wir kamen da im Gespräch drauf von wegen Musik, Rechte, Online stellen des Interviews mit Kai, hatte irgendwie wenig Erfolg. Nun denn ...

Kai Hirdt wuchs mir noch mehr an die Brust als sonst, als der Zehnte Doctor auf der Leinwand zu sehen war. Nur kurz, denn das Thema war ja eigentlich nicht "Doctor Who" - schnüff – sondern die „Perry Rhodan“-Comics. Dass das Projekt der Alligator-Farm alles andere als schwarze Zahlen schreibt, dürfte wohl bekannt sein. Dass der Verlag allerdings schon der fünfte Versuch ist, Perry im Medium Comic zu etablieren – eventuell gibt’s im nächsten Jahr dann „Perry Rhodan“-Alben, denn die Rechte dafür hat die Alligator-Farm nicht inne, sondern Dirk Schultz hat sich die gekauft. Es gab im letzten Jahr wohl auch eine Leseprobe, aber bisher hat man von dem Projekt nichts gehört.
Desto mehr konnte man über das Konzept der aktuellen „Perry“-Comics erfahren. Bunt und sexy waren die Vorläufer aus den 70ern gewesen und daran wollte man sich auch orientieren, ebenso an dem bunten Themenmischmasch der Handlung. Die sich allerdings momentan etwas an die aktuelle Handlung annähert, meinte Kai. Da der Comic bislang offenbar nur von einigen Eingeweihten gelesen wird, gab es bisher auch keine Beanstandungen darüber, dass Perry im Comic noch mit der Crest II unterwegs ist, Goratschin sich an Bord befindet und darüber hinaus Perry mit dem rätselhaften Mädchen Shilla eine – nun – Lebensabschnittgefährtin besitzt. Das könnte sich in diesem Jahr vielleicht ändern, denn es wird einen achtseitigen Comic für das aktuelle Perry-Heft geben – genauer: Der Countdown startet im Dezember, der Comic selbst dann im nächsten Jahr und dann soll auch die neue Ausgabe rauskommen. Da der Verlag vor etlichen Umbrüchen steht, so hat sich Hauptzeichner Vincent Burmeister zurückgezogen und die Mitarbeiter sitzen nicht mehr zusammen in einem Studio, sondern über ganz Deutschland verteilt, hat man momentan einiges an Neuland zu betreten. Kai ist einer der Autoren der Handlung mit Story-Arc, die bis zu den nächsten drei Heften, rechnet man das kommende mit ein, steht. Man weiß also ganz genau, wo man hin will, dass es dann einen Bruch im Zeichenstil geben wird, ist allerdings unvermeidlich. Vielleicht aber wird der etwas mainstreamigere Stil dann noch mehr Leser für die Comics gewinnen. Warum diese dann fünf Euro kosten, verdeutlichte Kai am Entstehungsweg eines Comics von der Vorzeichnung bis zum endgültigen Blatt. Momentan ist man sich noch unschlüssig, ob man bei der Kolorierung komplett auf den PC setzen will, aber falls das funktionieren würde, möchte man mehr auf die PC-Kolorierung setzen. Neben der Kooperation mit der „Space View“ und dem Perry-Comic im aktuellen Heft will man die Leser noch mit Merchandise-Produkten beglücken. Dazu gehören Taschen und T-Shirts sowie Poster. Kai erzählte, auf der FedCon hätte man ihm die ganze Stand-Verkleidung abgekauft – daher gibt’s jetzt die Poster. Perry hätte sich übrigens nicht ganz so gut als Poster verkauft. Komisch. Dabei hat die Dame auf dem anderen Poster doch so gut wie nichts an ... Ähm ... Hüstel ...
Noch nicht so ganz fest steht, ob es E-books oder sogar Perry fürs Handy geben wird. Erst mal möchte man das Projekt auf jeden Fall in die schwarzen Zahlen bringen. Darauf angesprochen, wie denn die Zusammenarbeit mit der Perry-Redaktion ist, meinte Kai, dass die Jungs da sehr locker seien. Zwar werde jedes Heft vor dem Veröffentlichen geprüft, bisher gab es aber nur einmal einen Grund zu Beanstandung – und dieser fiel den Machern dann auch frühzeitig selber auf, bevor VPM da eingreifen musste. Aber ansonsten sei man da recht entspannt. Für den achtseitigen Perry-Comic allerdings – für den Kai drei Monate brauchte – musste man sich eher an der aktuellen Handlung orientieren. Die Crest II und Goratschin kann man halt schlecht in der aktuellen Perry-Handlung erscheinen lassen. Locker, aber kompetent gab sich Kai und das Panel machte viel Spaß und es gab etliche Aha-Erlebnisse – auch wenn da offenbar eine Folie aus dem Vortrag irgendwie abhanden gekommen war ...

Eigentlich wollte ich eine Pause einlegen und bis zur Preisverleihung warten. Doch auf der Suche nach Christian Humberg landete ich dann schließlich im Panel "Hat Fantasy eine Zukunft". Hätte spannend werden können, war es aber leider nicht. Es war eher eine Diskussion darüber, wo die Fantasy heutzutage steht. Das kann auch spannend sein. Aber wenn die Diskutanten im Panel sich überwiegend einig sind - "Ja, so sehe ich das auch" war ein oft gehörter Satz –, dann fragt man sich schon, warum man eigentlich auf dem harten Boden sitzt. Man ackerte sich also durch die aktuellen Themenfelder, kam auf die "All-Age"-Romane zu sprechen und dann verlief sich die Diskussion mehr oder weniger im Sande. Dass die Jugendliteratur bei Weitem mutiger sei als die Erwachsenenliteratur war neben der Eröffnung, dass die meisten Autoren "Völker-Fantasy" schreiben, um sich eine Basis zu schaffen für spätere Projekte, so ziemlich das einzig Interessante dabei. Schade, hätte mehr sein können – weder Fisch noch Fleisch.

Muss man ein Wort über den DPP verlieren? Ja. Muss man, weil man jetzt eine Vergleichsmöglichkeit zum letzten Jahr hatte – das mit Multimedia-Einlagen aufwartete, wenn auch die Fanfare ein wenig eintönig war. Zudem soll es ja im nächsten Jahr eine Art Vorschlagsliste geben, weil etliche meinten, sie könnten sich gar nicht mehr erinnern, was im Jahr davor veröffentlicht wurde. Wobei: In der Regel lese ich kaum irgendwelche Fantasy-Kurzgeschichten. Was also sollte ich persönlich dann vorschlagen? Ich glaube, da geht es etlichen Leuten recht ähnlich. Die Vorschlagsliste soll aber wohl nur als Orientierungshilfe dienen und unverbindlich sein. In diesem Jahr ging es also "Back to the Roots" mit Dirk van den Boom und Hermann Ritter. In meinen Notizen habe ich stehen, dass mir der Running-Gag mit Markus Heitz auf die Nerven ging. Ab und an gab es auch eine Formulierung von Dirk, bei der ich mich fragte, ob die so sein musste, aber Schwamm drüber, passiert halt und Dirk meint es ja nicht so ernst wie es rüberkommen könnte. Was mir allerdings unangenehm auffiel: Wenigstens zwei der Laudatoren waren reichlich unvorbereitet. Kein Glanzstück der Preisverleihung. Ich bin mir sicher, dass Dirk und die Organisatoren des DPP da einen zeitlichen Vorsprung haben, was das Wissen um die Gewinner anbelangt, von daher könnte man – wenn man den Laudatoren und sich selbst einen Gefallen tun möchte – wenigstens ein paar Hintergrundinfos zu den Kandidaten verteilen. Das muss ja keine "Ich danke meiner Mutter, meinem Vater und meinen Hausschuhen"-Sache von der Länge her werden. Zudem: ein wenig mehr Struktur täte dem Ganzen eh gut, hatte ich den Eindruck. Ob das Einbinden der Gruppe "Amber" - die machen, so dem Soundcheck nach zu urteilen, wohl Musik in die Richtung von Schandmaul – ein Erfolg war oder nicht, kann ich nicht sagen, denn zu dem Zeitpunkt war ich schon längst in Richtung Restaurant entfleucht.

Apropos entfleuchen: An dieser Stelle ein dickes Lob an Mike Hillenbrand, der mich trotz Nacht und Nebels sicher bis vor die Haustür brachte. Thanx, dude!

Was bleibt also als Fazit?
Dass der Con von der Atmosphäre und von der Organisation her nett, wunderbar, freundlich und toll war, ist unbestritten. Ebenso, dass er wie immer im Jahr die Gelegenheit bietet, Kontakte innerhalb der Verlage zu knüpfen, die sich mit dem Genre befassen. Zudem kann man sich hier auch mit seinem Lieblingsautor treffen und ein Bierchen trinken. Und das Programm war sehr vielfältig, so dass man manchmal seufzend die ein oder andere interessante Veranstaltung fahren lassen musste, weil zwei Programmpunkte auf den selben Zeitpunkt fielen. ("Colin Mirth"-Lesung, ich hätte in die "Colin Mirth"-Lesung gehen sollen, anstatt in die Fantasy-Debatte, seufz.) Ich hoffe, die Veranstalter planen beim nächsten Mal keine vierte Programmschiene, die dann außerhalb des Gebäudes gelagert ist – das wäre in meinen Augen reichlich ungeschickt, da man dann das Gebäude verlassen muss und außerhalb des "Pendelverkehrs" läge.

Interessant wird die Vorschlagsliste sein, die im nächsten Jahr für den DPP erstellt wird und was für Auswirkungen diese haben wird – ob dann die Fans eher geneigt sind, Titel zu nehmen die auf der List stehen oder dann doch eigene Vorschläge einbringen, wird sicherlich interessant werden. Mein Tipp: Man wird sich eher an die Liste halten, weil es so schön bequem ist.
Noch schöner wäre es, wenn die Laudatoren beim DPP auch mal wüssten, wen sie da ankündigen bzw. vielleicht allgemein etwas besser vorbereitet wären. Ich wiederhole mich: Ein wenig mehr Struktur wäre nicht verkehrt IMHO. Nun denn, da der Con ja jetzt endgültig ein neues Zuhause auf Dauer gefunden zu haben scheint und ich denke, dass er ordentlich besucht war, kann man sich sicherlich auch auf den BuCon freuen und im übernächsten Jahr steht dann eine 25 auf dem Programm – ich bin gespannt, was man dann da präsentiert bekommen wird.

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