17
Dez

Original oder doch lieber Remake - Teil 2

von Frank Hebenstreit
Frank Hebenstreit

Es hat schon eine gewisse Ironie, dass sich meine Ausführungen zu Original oder Remake, Sequel und Prequel dann auch über zwei Teile ziehen. Aber auf der anderen Seite bietet diese Thematik so ein breites Spektrum, dass es doch schade gewesen wäre, sich bereits nach der Ausgabe 256 damit zufrieden zu geben. Sie als geneigter Leser haben ja wahrscheinlich auch eine eher differenzierte Ansicht und scheren nicht alles, was sich in diesem Bereich bietet, über einen Kamm. Es besteht daher auch kein Grund, mich einer solchen Unsitte hinzugeben.

Sequel oder Prequel

Grundsätzlich hat das Genre des Prequels ja eine nicht so lange Geschichte. Die des Sequels ist da schon langlebiger. Gleichwohl sind beide Genres mit sicherlich ähnlichen Attributen behaftet. Uns allen sind wirklich herausragende Sequels bekannt, die dem ersten Teil durchaus in Spannung und Unterhaltung gleich kommen. Gleiches können wir über Prequels sagen, bei denen uns die Geschichte vor der Geschichte plötzlich mit Informationen versorgt, die wir so nicht hatten.
Leider kennen wir aber auch alle das durchaus lahme Sequel, das wir Jahre nach dem Kinostart erstmals im Fernsehen sehen und so was von froh sind, dass wir damals nicht das gute Taschengeld ins ach so teure Kino getragen haben. Auch das grottoide Prequel ist uns allen schon untergekommen, das uns mit Informationen versorgt, die mit der eigentlichen Geschichte so viel zu tun haben, wie vegane Lebensweise mit einer Schnitzelrezeptsammlung. Und doch gucken wir alle irgendwie immer wieder mal hin.

Was für ein Sequel! Top!

George Lucas bezeichnete es damals grundsätzlich als dreigeteilte Filmreihe. Der Titel des zweiten Films "Das Imperium schlägt zurück" lässt zumindest noch den Gedanken aufkeimen, dass damals vernünftige Menschen Filmtitel übersetzten. Der Weg ins Deutsche vom "The Empire strikes back" war dann doch erstaunlich kurz und gerade. Da kennen wir alle mit so klangvollen Übersetzungen wie z. B. von "Dawn oft the dead" wesentlich Schlimmeres. Ach, das ist an Ihnen vorbeigegangen? Kann ich verstehen. "Zombies im Kaufhaus" liegt auch heute noch unter meiner Wahrnehmungsschwelle. Ein absoluter Klassiker der SF, "Soylent Green", wurde da mit "Jahr 2022 … die überleben wollen" schon eher eine Ehre zuteil.
Doch zurück zu den ...quels.

Auch wenn Lucas in der Überzeugung gehandelt hat, dass es ein Dreiteiler (hüstel, Sechsteiler, dazu später mehr) werden solle; wäre der erste Teil gefloppt, hätte weder das Imperium zurückgeschlagen noch wären die Jedi-Ritter wiedergekehrt. Und wir können doch froh sein, dass das kein Flop war. Leider war ich erst zum Kinostart von der "Rückkehr der Jedi-Ritter" alt genug, dass ich nach Ansicht meiner Eltern "so was" im Kino sehen durfte ... Und das, nachdem ich schon jahrelang "Captain Future" anschmachtete. Erklären Sie das mal einem Teenager, dass die Zeichentrickserie durchaus annehmbar ist, der nächste logische Schritt, nämlich die Verfilmung mit "echten" Menschen aber mal gar nicht geht.
Mit "Das Imperium schlägt zurück" und "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" sind sicherlich zwei der stärksten Sequels der Filmwelt gelaufen. In ihrer Zeit begeisterten sie Millionen von Menschen und setzten Maßstäbe.

Was für ein Sequel! Flop!

Ein Sequel ganz anderer Art und Genre hat mir allerdings dann schon eher auch heute noch das Grauen in die Augen getrieben. Gut, eigentlich müsste ich dankbar sein. Ich hatte eines dieser "Endlich fühle ich mich mal wieder jung!"-Erlebnisse durch "Pirates of the Carribean – Fremde Gezeiten".
Ich mein, mal ehrlich, in Teil eins und wegen meiner auch noch in zwei und drei wäre man doch an einigen Stellen gern Pirat gewesen oder hätte sich in die Abenteuer gern eingeklinkt. Also, neben Herrn Depp oder auch Herrn Bloom gab es eine durchaus mehr als nur ansehnliche Tricktechnik, die Effekte vorgaukelte, die einen für mich durchaus größeren Aha-Effekt auslösten, als mein erstes Zusammentreffen mit der neuen 3D-Technik das konnte.
Neben den Hauptsträngen war sicherlich die Darstellung des Jack Sparrow durch Herrn Depp eine tragende Säule. Durch Lee Arensberg und Mackenzie Crook als unvergessliches Duo Pintel und Ragetti brachten jedoch zwei Nebendarsteller ein solches "Die muss man einfach mögen"-Potenzial in die Geschichte, dass man sich dachte, wenn die nicht dabei wären, die würde man vermissen.
Stimmt. Und mehr.

Was bitte außer extremer Geldgier und vielleicht noch einem gerüttelt Maß Profilierungssucht hat die Verantwortlichen wohl zu "Fremde Gezeiten" inspiriert? Ich habe keine andere Erklärung dafür. Dass man das machen kann, was da mit der Tricktechnik gemacht wurde, das wussten wir alle. Haben wir alle schon mal gesehen und vielleicht sogar in der ein oder anderen schlüssigeren Geschichte. Haben Sie auch die Kritiken gelesen oder gehört, die besagten, dass die schauspielerische Leistung eines Johnny Depp oder einer Penelope Cruz nicht ausreicht, um den Film zu tragen? Gut, dann tun Sie sich selbst einen Gefallen und glauben diesen Menschen, sie wissen wovon sie reden.
Wie gesagt, ich muss dankbar sein, ich fühlte mich wieder jung… "Gott sei Dank habe ich mein gutes Taschengeld nicht DAFÜR ins Kino getragen." Und eine geliehene DVD kann man ja auch zurück geben.

Prequel, Segen oder Fluch?

Die Wahrheit liegt hier wohl mal wieder eher im Auge des Betrachters. Während ein wahrer Fan sicherlich dankbar um jede weitere Kleinigkeit ist, die er erfährt, möchte sich der ihm oder ihr innewohnende, denkende Mensch nach dem Kinobesuch jedoch nicht wirklich verar…t fühlen oder zu einem Zahnrad in einer Gelddruckmaschine degradiert finden.
Im Bewusstsein, dass ich nun ganze Generationen gegen mich aufbringe: Ich hätte "Star Wars I-III" (offizielle Bezeichnung) nicht gebraucht. Ich gebe allerdings auch zu, dass meine grundsätzliche Einstellung dazu sich im Laufe der Zeit gewandelt hat. Das hing aber durchaus auch mit meinen persönlichen und selbst gemachten Erfahrungen zusammen.

Es war ja nun schon eine eher längere Zeit her, dass ich die Trilogie abgeschlossen hatte und meinen inneren Frieden damit gemacht hatte, dass es mehr nicht geben wird. Als kleine Landpomeranze, die damals noch nicht mal die Traute gehabt hätte, auf eine CON zu gehen, wenn ich davon gewusst hätte, war ich es zufrieden, dass mir der Großmeister drei tolle Filme beschert hatte. Ähnlich wie bei "Dune" (da stehe ich zu, großartiger Film) regten sich in meinem Inneren zwar Wünsche nach mehr, aber das gab es eben nicht, Punkt.

Da schlug dann die Nachricht der Sequeltrilogie wie ein Donnerhall in mein bis dahin beschauliches Dasein. Diese ungeahnten Möglichkeiten. Ich würde erfahren, wie es kam, dass Darth Vader sich der dunklen Seite der Macht hingab. Ich würde mitbekommen, wie es vor der Zeit war. Und "Spaceballs" wäre nicht mehr das chronologisch Letzte, was auf dieses Universum Bezug nahm. Wobei … "Durchkämmt die Wüste!" ... Immer noch großartig.
Dann kam also Teil I ins Kino. Ich rein. Und wieder raus. Und wie ich mich fühlte, können Sie oben lesen. Teil II habe ich dann auf DVD gesehen und ich gebe zu, Teil III erst vor kurzem.
Meister Yodas Rede empfand ich auch damals schon eher als Sprachbehinderung denn als Mystik, konnte ich aber gut mit leben. War halt so. Konnte ich wissen, dass mir nun, da ich ja so gern in die Vergangenheit reisen wollte, so unsägliches wie Jar Jar Binks droht? Nein, und hätte ich es schon bei Teil I gewusst, ich weiß nicht, ob ich zu Hause geblieben wäre. Ich kenne Teile I-VI, aber für mich hätte es gereicht, wie es in den 80ern geendet hat. Ich hätte bereits Episode I für eine "Goldene Himbeere" nominiert, nicht erst Episode II oder "The Clone Wars". Letztere habe ich übrigens bis heute erfolgreich ausgeblendet.

Ein weiteres Prequel

Ich hoffe, es ist verständlich, dass ich angesichts dieser Grundlagen den Prequels gegenüber eher reserviert eingestellt bin. Nun hat mir ein Bekannter ein weiteres Prequel zukommen lassen. "Star Trek" aus dem Jahr 2009. Ich habe diesen Film soooo was von vermieden, wollte ich doch nicht das gleiche Desaster erleben. Und am Image meiner Jugendhelden Kirk oder Spock wollte ich nicht kratzen. Wollte sie behalten, wie sie waren.
Nun steht also die Auseinandersetzung mit einem weiteren Prequel an. Ich habe es gewagt und mir die ersten Szenen angesehen. Öhm … Nicht jeder dürfte auf eine dermaßen dramatische und ereignisreiche Geburt zurückblicken können wie James T. Kirk nach diesen Bildern. Sollte ich vielleicht doch? ... Nur so ein paar weitere Szenen? … Ich lasse es Sie wissen. Und sollten Sie bessere Erfahrungen mit Prequels gemacht haben als ich oder ganz entgegengesetzter Meinung sein, lassen Sie es mich wissen.



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