12
Jan

"Making a RingCon Movie" – ein Erlebnisbericht

Steadycam in der SciFi- und Fantasy-Filmwelt

von Marcella Krings

Zuerst ein paar Infos zu meiner Person: Mein Name ist Marcella Krings, ich bin 16 Jahre alt (werde allerdings im Januar 17) und wohne in der Nähe von Koblenz. Ich gehe in Andernach auf das Kurfürst-Salentin-Gymnasium und bin in der MSS11. Meine Hobbys sind Standard- und Lateintanz, Klavier spielen und Filmen. Wenn ich gerade nicht in der Schule sitze oder meinen Hobbys nachgehe, liebe ich es im Internet zu surfen oder etwas zu lesen, am liebsten Fantasy. Dadurch bin ich auch auf die Ring*Con aufmerksam geworden.

Was ist eine Steadycam?

Eine Steadycam ist ein Stabilisierungssystem für Kameras. Das System besteht aus einer Weste, an der einem Federarm befestigt wird, der die Bewegung des Steadycam Operators, die beim Gehen entstehen, ausgleicht. Am Federarm ist wiederum über ein kardanisches Gelenk (engl.: Gimbal), der Sled, eine Art Stange, befestigt. Am einen Ende des Sleds befindet sich die Kamera, am anderen Ende Ausgleichsgewichte, wie z. B. Akku und Monitor.

Die Steadycam wurde vom Kameramann Garett Brown entwickelt. Ich meine auch mal gelesen zu haben, dass sie ihre ersten Einsätze bei einem Fanatsyfilm hatte. (Schon lustig, dass ich ausgerechnet auf einer Fantasyconvention so ein Ding zum ersten Mal anhatte.

Vorteile der Steadycam sind unverwackelte Aufnahmen und eine große Bewegungsfreiheit. Sie ersetzt häufig – und vor allem bei Liveaufnahmen – Dollys.

Wie ich zum Filmen kam

Filmen hat mich generell schon länger interessiert. Vor allem "Twilight" hat da seinen Teil zu beigetragen. Ich habe mich extrem viel mit dem Film beschäftigt und dadurch Spaß am Filmen gefunden. Bald kamen der erste Camcorder und die ersten privaten Produktionen mit meiner besten Freundin. Wir haben Musikvideos gedreht und den "New Moon"-Trailer nachgestellt. Immer mit viel Herz, Kreativität und Engagement. Mein größtes Filmprojekt bisher war eine 90-minütige Dokumentation von unserem 10-tägigen Englandaufenthalt mit der Schule, Anfang 2009. Ich hab das ganze Projekt allein auf die Beine gestellt: selber gefilmt und selber geschnitten.

Irgendwann habe ich dann von einer Gruppe Jungs aus meiner Schule gehört, die sich beim regionalen Fernsehen eingenistet hatten. Meine erste Anfrage, ob ich mitmachen könnte, wurde abgelehnt, aber pünktlich zu meinem Geburtstag wurde ich doch gefragt. Und seitdem bin ich beim Offenen Kanal tätig. Wir nennen uns "OK YouthTube" und produzieren sowohl kurze Clips, als auch circa einstündige Sendungen (Titel: "Welcome to the Tube") über regionale Themen, die wir live im Internet streamen. Im Nachhinein kann man sie sich natürlich auch nochmal ansehen. Außerdem nehmen wir z. B. Theaterstücke oder Konzerte auf, die wir als DVD verkaufen. (Website: http://www.okyouthtube.de) Inzwischen sind wir schon sechs Jungs und zwei Mädels. Im Moment bin ich soweit, dass ich mir vorstellen könnte auch beruflich in diese Richtung zu gehen, als Kamerafrau.

Wie ich zur Steadycam kam

Wann und wie genau ich eigentlich zur Steadycam gekommen bin, weiß ich gar nicht mehr. Ich habe mich, glaube ich, über Kamerafahrten informiert und bin dadurch auf die Steadycam gestoßen. Natürlich hatte ich dieses seltsam aussehende Ding schon ein paar Mal im Fernsehen gesehen, aber wirklich einordnen konnte ich es nicht. Ich habe mir also grob durchgelesen, wie es funktioniert, und war direkt davon fasziniert. Daraufhin habe ich mir das ein oder andere Video angesehen, im Fernsehen Ausschau gehalten und mich weiter informiert.

Erste Kontakte mit Steadycams

Meine ersten Kontakte mit Steadycams im "real life" waren zuerst bei der Ring*Con und dann beim ZDF.
Auf der Ring*Con 2010 lief plötzlich so ein Mann mit Steadycam rum. Mein Interesse war sofort geweckt und jedes Mal, wenn er an uns vorbeilief, habe ich ihn beobachtet. Am Samstag habe ich dann allen Mut zusammengefasst, bin zu ihm hingegangen und habe ihn gefragt, ob ich ein Foto von ihm machen darf. Nach einem verwirrten Blick erwiderte er ein "Na klar". (Der Moment ist sogar auf der Con-DVD verewigt, weil er währenddessen angefangen hat, mich zu filmen.)
Im Nachhinein habe ich ihn auf Facebook gefunden: Alexander Theodossiadis, der Boss von Intex Digital Sound, die unter anderem für die DVD zuständig sind. Darüber bin ich mit ihm in Kontakt gekommen.

Das zweite Mal war bei einer Führung durch das Mainzer Sendezentrum vom ZDF.

Zufällig fanden an dem Tag Proben für den Fernsehgarten statt und uns wurde erlaubt ein wenig zuzuschauen. Natürlich lief da auch ein Steadycam Operator rum. Er tat mir so leid, wir hatten 40°C und der arme Kerl musste mit gut 25 kg Ballast über das Gelände rennen – wortwörtlich. Aber na ja, Showbiz halt …

Das dritte Mal war beim Aktuellen Sportstudio, ebenfalls in Mainz.

Meine Eltern und ich hatten uns Karten besorgt. Ich wäre da nie freiwillig hingegangen (ich mag Fußball nicht ;-) ), wäre dort keine Steadycam gewesen. Die ganze Sendung über hab ich den Steadycam Operator beobachtet, aber das Highlight kam zum Schluss: Nach der Sendung habe ich es tatsächlich dank meines Vaters geschafft, zu ihm hingehen zu dürfen und mich kurz mit ihm zu unterhalten.

Praxiserfahrung: RingCon 2011

Als Alex mir angeboten hat, auf der nächsten Con seine Steadycam anzuprobieren, konnte ich es erst gar nicht glauben. Ein riesen Traum, der wahr werden sollte!

Dieses Jahr war es dann endlich soweit, mein absolutes Con-Highlight. Am Samstag bin ich zu Alex oben in die Technikabteilung gegangen und schon ging's los: Zuerst die Weste anziehen. Selbst in der kleinsten Einstellung war sie mir noch zu groß und der untere Riemen lag leider nicht auf meinem Becken, sondern eher auf meiner Hüfte, was das Ganze letztendlich anstrengender machte, als so sowieso schon war. Als nächstes wurde der Federarm an der Weste befestigt. Dann ging‘s ans Hochnehmen: runter in die Knie, Federarm am Gimbal befestigen – und hoch.

Das Gewicht das erste Mal zu stemmen, fühlte sich ganz anders an, als ich erwartet hatte, da das Gewicht auf Rücken und Becken (oder in meinem Fall Hüfte) übertragen wurde. Völlig ungewohnt. Im Vorfeld hatten einige schon gezweifelt – mich eingeschlossen –, ob ich das Gewicht überhaupt halten könnte. Aber es war irgendwie leichter, als ich gedacht hatte.
Zumindest im ersten Moment. Ich habe zwar nicht auf die Uhr geschaut, aber nach einer geschätzten Viertelstunde wurde das Ding doch ziemlich schwer. Sie hatte immerhin 25 kg Gewicht.

Die schwierigen Dinge kamen bei mir gleich am Anfang: zuerst musste das 30 cm hohe Absperrband überschritten werden und dann ging es zwei Treppen rauf.
Kommentar von Alex: "Als Steadycam Operator musst du das können." Wirklich sehr aufbauend. Irgendwann hatte ich es dann geschafft und war oben angekommen. Dort hatte ich mehr Platz zum hin und her laufen. Den Teil mit dem "steady" muss ich allerdings noch ein paar Mal üben ... (Aber sie war auch nicht auf mich eingestellt, Alex brauchte sie ja noch.)

Ich versuchte auch die Steadycam ohne Hände in der Position zu halten und merkte schnell, dass selbst die kleinste Bewegung mit dem Becken bewirken kann, dass sie auf mich zu kommt oder "von mir wegläuft", wie Alex es so schon gesagt hat. Wirklich ruhig habe ich sie nicht bekommen.

So schön es auch war, nach einiger Zeit wurde es anstrengend, es fing an, in Rücken und Oberschenkeln wehzutun. Außerdem ging es ganz schön auf die linke Hand. Die Steadycam war goofy montiert, das heißt der Gimbal war genau auf der anderen Seite als normal, sodass ich mit der linken Hand den Gimbal runter drücken musste. Alex‘ Begründung war allerdings logisch: Benutzt man die linke Hand als Kraft- und die rechte als Finessehand sollte es doch für Rechtshänder eigentlich einfacher sein, als wenn man die linke als Finessehand benutzt.

Alles in allem war es auf jeden Fall eine supertolle Erfahrung! Ich werde sie hoffentlich auf der nächsten Con wieder anziehen dürfen und dann auch gerne ein paar Minuten länger.




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