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Im Gespräch mit Marie Sann
Eine aufstrebende Zeichnerin für alle Genres
von Reiner Krauss
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Reiner Krauss |
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Erinnern Sie sich noch an den Perry Rhodan Weltcon 2011? Erinnern Sie sich auch an diese Zeilen zum Stichwort "Mehr Weiblichkeit bei Perry"? Vielleicht schnell noch mal Revue passieren lassen (Zum "Perry Rhodan"-Special unserer Corona Magazine-Homepage).
Es gibt aber noch jemand, der mir seit damals positiv in Erinnerung ist und die erstmals Gaststar und als Künstlerin für "Perry Rhodan NEO - Band 1" mit der Sonderausgabe zum Weltcon aufgetreten war. Ihr Name: Marie Sann.
Einzigartige Colorzeichnungen von ihr begleiteten den Innenteil des ersten erfolgreichen Relaunch der "Perry Rhodan"-Serie. Ansonsten lebt und arbeitet sie als freie Illustratorin, Game Artist und Comiczeichnerin in Berlin. Ist 1986 geboren und entdeckte schon früh ihre Begeisterung fürs Zeichnen. Doch wer genau ist diese junge, nette Person und was macht sie sonst noch, haben wir uns gefragt. Die weiteren Antworten dazu gab sie mir in einem exklusiven Mailinterview.
Reiner (RK): Zunächst ein "Hallo" nach Berlin. Legen wir sogleich los mit deiner Vorstellung für unsere Corona Magazine-Leser. Du bist mir noch in Erinnerung vom Weltcon 2011 in Mannheim, doch wie kam es eigentlich zum Kontakt mit den Verantwortlichen der "Perry Rhodan"-Serie?
Marie Sann (MS): Ein fröhliches "Hallo" zurück! Ich freue mich sehr über dieses Interview.
Der Kontakt zu den Perrys ist durch meine Zusammenarbeit mit dem Splitter Verlag zustande gekommen. Zurzeit arbeite ich an einer Adaption eines wunderbaren Kai-Meyer-Romans namens "Frostfeuer", welcher von Splitter verlegt wird. Die Verlagsleiter Dirk Schulz und Horst Gotta haben ja schon zahlreiche fantastische Titelbilder für "Perry Rhodan" gezeichnet und stehen schon jahrelang in gutem Kontakt mit den Verantwortlichen der Serie. Ich hatte das Glück, dass zur Zeit nach einem Künstler mit einem etwas "andren" Stil, als das bisher von "Perry Rhodan" Gewohnte, Ausschau gehalten wurde und so kam ich in die Ehre dem "NEO Band1" ein paar kleine Illus der bekannten "Perry Rhodan"-Charaktere beisteuern zu dürfen.
RK: Wie kam der Bezug zur "Perry Rhodan"-Serie, hast du auch schon mal das ein oder andere zuvor gelesen oder erst im Nachhinein?
MS: Ich wusste natürlich von der Serie und habe vor dieser Zusammenarbeit immer mal wieder hier oder da reingeschmökert. Wirklich befasst habe ich mich mit der Serie aber bisher nicht. Umso spannender war es aber für mich, schließlich zu sehen, was für ein unendlich großes und faszinierendes Universum sich hinter "Perry Rhodan" verbirgt.
RK: Wie gefiel dir eigentlich im Nachhinein diese Veranstaltung in Mannheim, wie wurdest du aufgenommen und angenommen?
MS: Ich war sehr gespannt auf die Veranstaltung. Nachdem ich mich für den Auftrag nun mehr mit dem Perryuniversum beschäftigt habe, war ich neugierig, was mich erwartet, und ich war wirklich beeindruckt von der Veranstaltung und den Besuchern.
Ich muss allerdings zugeben, dass ich auch etwas ängstlich war, wie ich mit meinen Interpretationen der Perry-Charaktere von der großen und langeingesessenen Fangemeinde aufgenommen werden würde. Umso erfreuter war ich, wie überaus positiv die Resonanz war. Das war wirklich ein großes Kompliment für mich.
RK: Kommen wir zu deinem Werdegang. Auf deiner Webseite kann man nachlesen, dass du zunächst aus der Manga-Szene kamst, nun aber auch durchaus Genre-übergreifende Arbeiten zeichnest. Wo würdest du selbst deine "zeichnerische Heimat" sehen?
MS: Ich glaube, ich würde mich eher als Zeichnernomadin bezeichnen. ;)
Es ist mir sehr wichtig mich nicht auf einen Stil zu beschränken, sondern vielfältig zu sein und mich stets weiterzuentwickeln. Wie ich mich als Mensch ändere und weiterentwickele, so tut das mit mir auch meine Kunst. Und das finde ich sehr spannend.
RK: Zeichnen als Beruf/Berufung ist durchaus ein zunächst mutiger Einstieg nach der Schulzeit, oder hast du auch sonst einen "Nebenberuf", falls es mal nötig ist?
MS: Leider ist es so, dass man hier in Deutschland (im Vergleich zu z. B. Frankreich) noch nicht allein vom Comiczeichnen leben kann. Daher nehme ich parallel immer auch wieder Illustrationsaufträge an und arbeite als Game Artist. Es ist nett so und sicher abwechslungsreich. Trotzdem wäre es auch schön, die Möglichkeit zu haben, sich vollkommen auf ein Projekt zu konzentrieren und seine ganze Liebe darin zu investieren. Dann könnte das Ergebnis natürlich auch ganz anders aussehen. Das geht aber natürlich nur, wenn auch der finanzielle Aspekt stimmt. Von irgendwas muss man ja leben. Und an diesem Punkt ist die deutsche Comicszene leider noch nicht.
RK: Bist du auch in Berlin geboren und wie inspirierend findest du deine Heimat?
MS: Ja, ick bin jebürtige Berlinerin. Versuche mir das aber eigentlich nicht anhören zu lassen. ;)
Ich mag es sehr, hier zu leben und zu arbeiten. Ich mag die Vielfalt hier. Und finde es sehr inspirierend.
RK: Auf deiner Webseite hast du neben laufenden Projekten und Veröffentlichungen auch eine tolle "Fanart-Kollektion" veröffentlicht. Auffällig ist, das man den Eindruck hat, das ein oder andere – oder gar alle - enthalten auch Selbstportraits. Wie kam es dazu und was können uns diese Zeichnungen eventuell über dich noch sagen?
MS: Uh ... Also, dass meine Figuren gewisse Ähnlichkeit mit mir haben, höre ich nicht zum ersten Mal. Das ist allerdings nicht gewollt. Ich sehe es ehrlich gesagt selbst auch gar nicht so. Aber ich kenne dasselbe von anderen Zeichnerkollegen. Ich denke, es könnte daher kommen, dass ja jeder ein gewisses Ideal hat (z. B. modisch), das er natürlich seinen Figuren gibt, dem er aber auch selbst nachstrebt ... Vielleicht sind damit gewisse Ähnlichkeiten zu erklären.
RK: Ich bin ein Fan, seit meiner Jugendzeit, der sogenannten "franko-belgischen Comicszene" und heute findet sich ein erfolgreicher Relaunch am Markt, der auch und gerade deutschen Künstlern eine Bühne bieten will – ZACK (http://www.zack-magazin.com/). Hättest du Interesse, diese Plattform für eigene Werke irgendwann einmal zu nutzen oder welche Ziele verfolgst du in deiner Arbeit?
MS: Das klingt toll! Es ist schön, wenn deutsche Künstler ihre Unterstützung finden. Es gibt viele begabte Zeichner hier, aber wegen der schwierigen Auftragslage ist es nicht leicht seinen Namen weit zu tragen.
Mein Ziel ist es natürlich möglichst vielen eine Freude mit meinen Arbeiten zu machen und selbst an den jeweiligen Projekten zu wachsen.
RK: Was sind deine aktuellen Projekte und was wünschst du dir für die nächsten Jahre?
MS: Mein aktuelles Projekt ist wie oben schon kurz erwähnt die Comic-Adaption des Fantasy Romans "Frostfeuer" von Kai Meyer in drei Alben. Hierfür leistet Yann Krehl ganz tolle Arbeit am Skript und ich bin sehr froh darüber mit so begabten Leuten und einem so engagierten und freundlichen Verlag wie Splitter zusammenzuarbeiten.
Das Projekt stellt aber auch eine Herausforderung in mehreren Hinsichten für mich dar. Erst mal ist es natürlich kein Leichtes, einer solchen Vorlage, wie sie Kai Meyer gezaubert hat, gerecht werden. Darüber hinaus ist es meine erste farbige Comicarbeit, wodurch sich einerseits natürlich neue und spannende Möglichkeiten, andererseits auch neue Schwierigkeiten ergeben. Ich finde es aber sehr spannend und freue mich, an dem Projekt zu wachsen. Was für mich besonders ist, ist die Arbeitsdauer für das Projekt. Drei farbige Alben sind nicht von heute auf morgen zu erschaffen, somit braucht man viel Ausdauer und Stilsicherheit, um ein gutes Ergebnis zu erzielen.
Band 1 ist bereits im Handel, Band 2 erscheint im Herbst und der letzte Band wird 2013 das Licht der Welt erblicken.
RK: Freie Künstlerin, freie Arbeitszeit. Doch wie motivierst du Dich und wie sieht denn eigentlich so ein "Zeichner-Alltag" in der Regel aus, arbeitest du lieber früh morgens oder auch mal spät abends?
MS: Ja, das mit der Disziplin ist so eine Sache. Das ist wirklich etwas, was man erst mal lernen muss, und ich glaube, was auch nicht jedermanns Sache ist.
Ich habe meinen persönlichen Mittelweg aus festen Arbeitszeiten und freier Arbeitseinteilung gefunden. Dadurch, dass ich drei Tage die Woche in einem Büro für einen Spieleentwickler arbeite, strukturiert sich meine Woche schon einmal gezwungenermaßen etwas, und ich merke, dass mir das gut tut. Den Rest der Zeit teile ich mir selbst ein. Und dann fange ich meine Arbeit am liebsten am späten Vormittag an und ende am späten Abend.
RK: Genug von der Arbeit, erzähle auch mal ein paar Dinge so über dich selbst. Wenn ich mich nicht täusche, hast du einen kleinen Hund. Sicherlich braucht der einige Zuwendung. Was machst du sonst so am liebsten in deiner Freizeit?
MS: Ja, seit nun fast zwei Jahren habe ich meine kleine Leila, welche mir immer sehr viel Freude bereitet. Ich liebte Hunde schon immer und durch meine freiberufliche Aktivität und die sehr netten Leute im Büro, die mir immer erlauben, die Kleine mitzubringen, funktioniert das sehr gut so.
Mit ihr unternehme ich natürlich viel an der frischen Luft. Ansonsten mag ich natürlich gern spaßige Abende mit Freunden und gute Live Musik in gemütlichen Cafés. Und ich versuche regelmäßig Sport zu machen, als Ausgleich zum vielen steifen Sitzen beim Zeichnen. Ich quäle mich ein paarmal die Woche ins Fitnessstudio, um gezielt zu trainieren. Aber wenn die Möglichkeit besteht, bewege ich mich viel lieber in der Natur. Dann jogge ich mit meinem Hündchen, fahre Fahrrad oder mit Inlinern. Im Sommer hüpfe ich auch gern mal in einen See. Leider ist mein Hund noch kein großer Fan davon. Diesen Sommer möchte ich ihn aber davon überzeugen, wie schön es im Wasser sein kann. Da muss er durch!
Und filmtechnisch mag ich schon Fantastisches, aber weniger in der Science-Fiction-Richtung, sondern mehr etwas mit schlau eingesetzter Magie und gern auch Steampunk-mäßiges.
Ansonsten sehe ich mir auch gern mal ein gutes Drama, unterhaltsame Abenteuerfilme oder intelligente Komödien an. Eben je nach Stimmung.
RK: Sag uns bitte noch zum Abschluss, wann und wo wir wieder Neues von dir sehen können und wo man sich eventuell auf Veranstaltungen in 2012, wie Cons oder Messen, gar begegnen kann.
MS: Ich würde mich freuen, wenn man mich auf dem Comicsalon in Erlangen besuchen kommt. Ich werde voraussichtlich zwei Tage mit dem Splitter Verlag dort sein und signieren. Genaues dazu findet sich bald auf meiner Website, meinem Facebook-Profil oder auf der Homepage des Splitter Verlages. Außerdem werde ich mit dem frisch gedruckten zweiten Band von "Frostfeuer" auf der Frankfurter Buchmesse sein.
RK: Es hat mich sehr gefreut und wir wollen zukünftig ein Auge auf Marie Sann und ihre tollen Arbeiten werfen.
Informationen zum Thema:
http://www.marie-sann.de/ - Homepage und Projekte von Marie Sann




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